Schottland im Mai 2019

Am 10.Mai ging es für uns nach Schottland. Nach der Landung in Edinburgh und dem Einsammeln des Leihwagens machten wir uns auf den Weg nach Pitlochry (Edinburgh kannten wir ja schon aus dem Vorjahr) und der dort ansäßigen Edradour-Destillery. Es war einer der wenigen regnerischen Tage auf unserer Reise, so dass wir durch Pitlochry nur durchgefahren sind, es sah aber sehr nett aus. Dort könnte man gut mal aussteigen und rumlaufen, ein paar nette Geschäfte, hübsch anzusehende Häuser, kleiner Touri-Hotspot.

In der Edradour-Distillery kamen wir gerade noch rechtzeitig für die letzte, einstündige Führung – das Whisky-Tasting gibt es dort gleich zu Anfang, damit man weiß, worüber später bei der Führung gesprochen wird. Zu Verkosten sind drei Sorten: ein rauchiger, ein eher klarer und ein Likör-Whisky. Klare Aussage unseres Führers: Whisky wird niemals mit Eis bzw. gekühlt serviert, das schadet dem Geschmack. Und beim ‚tasten‘ sollte ein Whisky für jedes Reife-Jahr im Fass mindestens eine Sekunde auf der Zunge gehalten werden. Ist bei einem 12jährigen Whiskys schon eine ganz schöne Leistung!

Edradour war bis vor kurzem die kleinste Distillery in Schottland und ist weiterhin eine der wenigen noch unabhängigen Destillerien – die meisten großen, klassischen Destillerien gehören mittlerweile zu großen Konzernen. Die Führung war sehr interessant, vor allem die Lagerhalle mit all dem ‚angel share‘. In Edradour werden im Lager auch Fässer anderer Destillerien gelagert und als spezielle Editionen auf den Markt gebracht, z.B. mit längeren Reifezeiten. Entsprechend gut ausgestattet war die Tasting-Bar und der Shop.

Ein 46jähriger Bunnahabhain für schlappe 1.500 Pfund….

Im Nachhinein – wir waren noch bei Dalwhinnie und Oban – hatte Edradour die beste Bar und den interessantesten Shop. In der Bar konnte man einen 40 Jahre alte Whiskys für 90 Pfund das Gläschen erstehen – im Laden liegt die dazugehörige Flasche dann bei über 500 Pfund. In der Bar gibt es ein schönes Ambiente und mehrere gemütliche Tische für die ‚Reisegruppen‘. Am Ende unserer Führung
war die Bar offiziell geschlossen und nur durch den Nebeneingang erreichbar, aber die hartgesottenen Whisky-Trinker-Jungs (alle männlich) waren noch ordentlich dabei und schienen Spaß zu haben.

Leider konnten wir die Bar nicht nutzen, wir mussten ja noch weiter zu unserem Bed&Breakfast in Braemar. Die Strecke von Pitlochry nach Braemar war sehr schön, eine sehenswerte Strecke (die A924 entlang und in Kirkmichael auf die B950 – siehe links). Man fährt sogar an einem Ski-Center vorbei – ist schon etwas skurril, so etwas in Schottland zu sehen. Braemar gilt als kälteste Ecke von Großbritannien, entsprechend kühl war es dort auch, knapp über Null Grad, als wir ankamen.

In Braemar waren wir im Cranford Guest House, ein super B&B. Sarah ist ein toller host, wir wurden mit Tee und Scones empfangen worden. Im Gästebereich, wo der Tee serviert wurde, stehen gemütliche Sofas, so dass man gleich mit den anderen Gästen in Kontakt kommen kann. Wir haben dadurch viele nette Gäste im Haus kennengelernt (am ersten Abend ein junges Pärchen aus London – am Morgen dann ein älteres Ehepaar aus England, die uns viele tolle Tipps für Schottland gegebene haben, u.a. dass wir nicht extra nach Loch Ness fahren sollten, gibt schönere Ecken auf unserer Tour; und sie mussten uns unbedingt mitteilen, wie sehr sie es bedauern, das GB aus der EU will!). 
Abends in Bramour haben wir nett in einem Bistro gegessen (aber auch nichts besonderes), danach waren wir auf ein Bier und einen Whisky im Five Arms Hotel – ein schönes (aber auch recht großes) Boutique-Hotel mit netter Bar. Das Hotel war wohl früher sehr heruntergekommen und ist jetzt von Schweizern (?) mit viel Liebe (und natürlich entsprechend finanziellen Mitteln) in ein kleines Einod verwandelt worden.

Dort haben wir der Live-Musik gelauscht und ich einen 18-Jahre-Alten Bunnahabain getrunken – so ziemlich der beste Whisky auf der Tour.

Am nächsten Morgen gingen wir dann zu Fuß zum Braemar Castle – einer damaligen Machtdemonstration gegen den verfeindeten Clan auf der gegenüberliegenden Flussseite. Wir haben dort eine Tour mit Audio-Guide gemacht, das war recht informativ. Unter anderem hat R.L.Stevenson hier die ersten Kapitel der ‚Schatzinsel‘ geschrieben – er verbrachte in Braemar einen siebenwöchigen Urlaub, in dem es durchgängig regnete. Und so fing er zur Unterhaltung seines Stiefsohnes an, die Geschichte der Schatzinsel zu schreiben und seinem Stiefsohn jeden Abend daraus vorzulesen.

Danach haben wir noch im ‚Bothy‘ einen Tee getrunken – ein super nettes Cafe, von außen unscheinbar, aber innen sehr geräumig und mit einer tollen Terrasse zum Fluss und seinem Wasserfall, der durch Braemar fließt.  Wir studierten hier unsere Karten für die weitere Fahrt…..

Im ‚Bothy‘
Die B976

Von Bramour ging es dann über Grantown on Spey nach Spean Bridge über die sogenannte Schneeroute, dies ist die östliche Strecke des Cairngorn National Park. Wichtig hierbei war, kurz vor Balmoral die B976 als Abkürzung zu nehmen. Diese führt über eine tolle Hochebene. Heidelandschaft und schneebedeckte Hügel im Hintergrund. Über mehrere Monate im Jahr ist die Strecke wegen Schnees gesperrt – das vermutet man in Schottland nicht unbedingt….
Weiter ging es nach Aviemore: da kann man ruhig durchfahren, da verpasst man nix. Aviemore ist das Outdoor-Zentrum, entsprechend gibt es viele Geschäfte hierfür – es ist alles aber eher funktional als mit Charme. Generell gilt, dass die Strecke oben bei Aviemore bis Grantown-on-Spey bei weitem nicht so schön ist wie die östliche Strecke und die Strecken unten bei Braemar.

Irgendwo zwischen Braemar und Aviemore

Danach ging es dann nach Dalwhinnie. Die Destillery liegt im Nichts, drumherum reine Landschaft. Und die Destillery ist so lala, bei weitem nicht so spannend wie Edradour (wir haben allerdings auch keine Tour bei Dalwhinnie mitgemacht – aber der Laden ist gleichzeitig auch die Probierbar und beide sind bei weitem nicht so umfassend und charmant wie in Edradour.

Von Dalwhinnie Richtung ging es dann nach Spean Bridge, das war wieder eine schöne Strecke. Die kommende Nacht war die einzige Übernachtung, für die wir nicht im Vorweg gebucht hatten, um schauen zu können, wie weit es uns in Richtung Skye tragen würde. Spean Bridge war hierfür eine Empfehlung der englischen Schottland-Reisenden aus dem Cranford. In Spean Bridge gibt es wohl viele B&B und morgens, wenn man Glück hat, einen fantastischen Blick auf den Ben Nevis, den höchsten Berg Schottlands und eine Art Nationalheiligtum.

Kleiner Exkurs: in der Nähe des Ben Navis liegt Corrour Station, die höchste Eisenbahnstation Schottlands mit einem neuen Restaurant und ein paar Zimmern im ehemaligen ‚Signal Box‘ zur Übernachtung – leider war schon alles ausgebucht, wird aber für einen kommenden Urlaub wie der in Betracht gezogen, es muss dort traumhaft sein und das Restaurant soll gut sein. Exkurs-Ende.

Nun mussten wir uns also eine Unterkunft suchen und die Ortschaften, die gemäß Karte auf dem Weg liegen sollten, stellten sich als nicht vorhanden heraus – wo waren sie bloß geblieben? Irgendwann des Weges war dann ein Schild für ein Hotel etwas oberhalb der Straße angebracht und spontan entschieden wir uns, dort mal nachzufragen. Als wir dort vorfuhren dachte ich zuerst, das ist zu exklusiv für uns. Aber das ‚Glenspean Lodge Hotel‘ war bei weitem nicht so exklusiv, wie befürchtet, und hatte auch noch ein B&B-Zimmer für uns frei. Das Hotel und unser Zimmer fand ich etwas trutschig, war aber voll ok und toll gelegen und man hat einen schönen Blick auf die schneebedeckten Berge, den Ben Nevis sieht man auch ein bisschen. Wir hatten super Wetter, es war schon etwas wärmer und totale Sonne.

Abendstimmung: Blick von der Terrasse des Glenspean Lodge Hotel
Morgenstimmung vom Glenspean Lodge Hotel

Vor dem Hotel konnte man auf einer kleinen Terrasse sitzen und wir hatte dort einen tollen Ausblick. Abends haben wir dann im Pub des Hotels gegessen und ein älteres englisches Ehepaar neben uns kennengelernt. Sehr nette Leute – generell kommen wir super mit den Engländern und Schotten in Kontakt, alle sind sehr offen und gesprächsbereit. Und wieder bekamen wir die Bestätigung, dass wir nicht zum Loch Ness müssen. Im Pub habe ich dann noch ein ‚Talisker Destillery Edition‘ getrunken – ging so, war kein Highlight.

Unser Zimmer in der Glenspean Lodge

Am nächsten Tag hatte ich dann morgens einen wundervollen Blick auf Ben Navis und seine umliegende Gipfel, unglaublich. So ein klarer, sonniger Blick wie an diesem Morgen ist dort selten. Wie immer haben wir lecker gefrühstückt (in allen B&B hatten wir hervorragendes Frühstück – kein Vergleich mit den AirBnB-Versorgungen); im Frühstücksrestaurant des Hotels hat man beim Essen einen fantastischen Blick auf die Berge. Und wir hatten natürlich den besten Platz, weil wir die ersten waren :-).
Über das Kriegermonument bei Spean Bridge (der Ort selber ist nicht so dolle) ging es dann Richtung Skye. Am Loch Cluanie haben wir dann mal bei einer unscheinbare Parkbucht angehalten, weil der See so schon war. An der schönsten Stelle bei der Parkbucht stand ein Camper Van, ein Pärchen saß davor mit Blick auf den See, lauter Musik dröhnte aus dem Van und zwei kleine Bulldoggen kamen neugierig auf uns zu. Als wir näher kamen, hat der Mann erst mal seine Wasserpfeife im Van versteckt, uns dann aber willkommen geheißen und meinte, wir sollten näher kommen, da sie ja den tollen Standort für den Blick über den See ‚okkupierten’, aber gerne mit uns teilen würden. Sie stellten sich als total nette Schotten heraus, die dort übernachtet hatten und nun den Morgen genossen. Er kam mit einem tollen Tip nach dem nächsten um die Ecke, was wir uns alles anschauen sollten – war etwas aufgedreht, wahrscheinlich wegen des Dopes und weil er sich ertappt fühlte. Nichtsdestotrotz wieder total nette und offene Leute – irre, wie leicht man hier ins Gespräch kommt.

Dann ging es also weiter die A87 an den tollen Seen entlang Richtung Eilean Donau Castle – eine Empfehlung des Van-Fahrers wäre gewesen, vorher bei Stiel Bridge Richtung Glenelg zu fahren und dort mit einer kleinen Fähre nach Skye überzusetzen – die Strecke führt über die Berge und soll wunderschön sein, aber wir brauchen ja auch noch Entdeckungen für den nächsten Urlaub!

Eilean Donan Castle

Wir kamen nun am Eilean Donan Castle an. Großer Tour-Hotspot, wir entschieden uns aber gegen eine Besichtigung – wir hatten ja noch eine ganz schöne Strecke vor uns und das Braemar Castle war ja auch schon sehr interessant gewesen. Wir bogen etwas später auf die A890 Richtung Lochcarron, da wir nach Applecross wollten (siehe das Buch ‚Sein blutiges Projekt‚ über einen Kriminalfall aus dem 19. Jhrdt, welcher dort stattgefunden hatte). Das Plätzchen, wo sich dies zugetragen hatte, wollte ich ob seiner Trostlosigkeit gerne einmal in Augenschein nehmen. Die Strecke nach Lochcarron war mal wieder sehr schön; es zieht sich zwar, aber sehr angenehm. Eine kleine Straße, auf der man immer mal wieder dem Gegenverkehr Platz machen muss, da sie an vielen Stellen nur einspurig ist.

Dann, als wir den Lochcarron Richtung des Passes nach Applecross (den ‚Bealach na Ba‘) verlassen hatten und die Straßen immer kleiner und die Gegend immer einsamer wurden, kamen wir plötzlich an einem superschönen Imbiss/Restaurant für Seafood vorbei und gingen dort spontan essen (und damit nicht mehr in den Pub in Applecross – ein weiterer Tipp des kiffenden Schotten, der meinte, der Mann der Pub-Besitzerin wäre der örtliche Fischer und das Pub hätte somit unglaublich frischen Fisch). Der Laden heisst ‚Kishorn‚, serviert allerbestes Seafood und man sitzt dort sehr gemütlich und mit Blick auf die Bucht. Welch eine Entdeckung!!

Im Kishorn
Unsere Seafood-Platter…

Eine kurvenreiche Fahrt undefined führte dann auf den Pass ‚Baleach na Ba‘, dort hat man dann einen tollen Ausblick auf die Isle of Skye und zufälligerweise standen dort auch ein paar Oldtimer – Teilnehmer einer Oldtimer-Rallye – und einer der Fahrer holte seinen Dudelsack hervor und wir kamen in den Genuss typisch schottische Heimatliebe.

Die Strecke hoch auf den Pass
Blick vom Pass auf die Isle of Skye

Oldtimer auf dem Pass

Nach dem Pass sind wir dann über Plockton auf die Isle of Skye gefahren – schöne Strecke auf dem Abstecher, irgendwo bei Schmore gab es einen kleinen Abzweig nach Plockton. Plockton ist eine gemütliche kleine Hafen-und Touristenstadt mit einer Sackgassenlage. Wir hatten dort so schönes Wetter und die Leute saßen auf den Terrassen – am liebsten wären wir für die Nacht dort geblieben, aber wir hatten ja in Portree für die Nacht gebucht.

Plockton in der Sonne – man achte auf die Palmen! In Schottland!!

Von Plockton ging es dann auf die Isle of Skye und dort in unsere Unterkunft.

Die berühmte Ansicht von Portree

In Portree angekommen suchten wir unsere Unterkunft und machten uns dann auf den Weg in die Stadt. Freitagabend, da dachte ich an einen Pub mit Live-Musik und ähnlichem. Doch zunächst wollten wir was essen. Ich war erstaunt, wie viele Touristen in Portree unterwegs waren und wir mussten feststellen – es war ca. 19 Uhr – das alle Restaurants komplett ausgebucht waren. Und außer uns noch einige andere Touristen suchend durch die Gegend liefen. Also suchten wir einen Pub auf und auch dort: ca. eine Stunde Wartezeit. Aber immerhin…. So kamen wir ca. gegen halb zehn aus dem Pub und siehe da: Portree war praktisch ausgestorben, alle Touristen lagen brav in ihren Betten und so machten wir es dann auch…

Am nächsten morgen ging es dann auf die Halbinsel nördlich von Portree, Richtung ‚Old man of Storr‘. Zunächst dachte ich, das wir für die Wanderung keine zwei Stunden benötigen, aber am Ende sind wir doch bis ganz nach oben auf den höchsten Aussichtspunkt gewandert und da braucht man dann schon so viel Zeit. Oben auf dem Aussichtspunkt war es dann schon verdammt windig……

so windig war es ganz oben….
Blick auf den Old Man of Storr

Nach dem ‚Old man of Store‘ kommen noch ein paar Sehenswürdigkeiten (Wasserfälle), die wir aber eher schnell abhandelten – wir suchten so langsam mal ein Café. Das Café direkt (acht Meilen) nach dem Man of Storr überzeugte uns nicht und wir hatten ein Schild für ein ‚Coup Café‘ gesehen – da wir nun mal Suppenkasper sind, schien uns das genau das richtige zu sein, auch wenn es noch ein wenig Wegstrecke bedeutete. In Brogaig nahmen wir nicht die Abkürzung nach Uig und ließen so auch den Quiraing aus und besuchten das Café in Flodigarry. War nicht leicht zu finden, da es Teil des einsam gelegenen Flodigarry Hotels ist – wir mussten uns über die Rezeption zum Café durchschlagen -, aber welch brillantes Café!! Absolut empfehlenswert; sowohl die Aussicht, das Flair als auch das Essen -sehr interessante Suppenkreationen – sind der Hammer! Und man muss dort super übernachten können, toller Pub im Hotel und morgens dieser Ausblick….

Blick aus dem ‚Soup-Cafe‘
Der Blick von der Terrasse

Nach dem Café fuhren wir die A855 um die Nordspitze herum – einsame Gegend, hübsche Häuser, viele Schafe, tolles grünes Gras.

An der A855

Dann kamen wir zum ‚Skye Museum of Island life‘, einem Museum mit gut erhaltenen Crafter-Hütten. Crafter waren die armen Farmer, die auf den kärglichen Boden auf Pachtbasis ihr tägliches Überleben zu sichern versuchten (siehe das oben erwähntes Buch ‚Sein blutiges Projekt‘). Die Hütten in dem Museum sind super erhalten und eingerichtet. Man bekommt einen sehr guten Eindruck über das beschwerliche Leben hier in diese Gegend.

Auf der Weiterfahrt passierten wir dann Uig und kamen wieder nach Portree. Eigentlich war geplant, nach Dunvegan (Achtung: Burg! Und Dunvegan soll mit dem ‚Old School Restaurant‘ eines der besten Restaurants haben) und zum ‚Neist Point Lighthouse‘ weiterzufahren (und dann auch nich mal bei Talisker vorbeizuschauen, aber wir hatten viel mehr Zeit auf diese Halbinsel verbracht als gedacht und so entschieden wir, nach Elgol zu unserer Unterkunft zu fahren – wir wollten ja nicht nur über die Insel heizen, sondern auch einfach mal irgendwo ’sein‘.

So kamen wir am ‚Coruisk House‘ an, unsere Unterkunft für die kommenden drei Abende und Nächte – welch gute Entscheidung! Das Coruisk House bietet wenige Zimmer an (drei oder vier) und ist am Abend ein Restaurant mit wenigen Tischen. Elgol ist ein kleiner Hafen (eigentlich nur eine Pier), von dem aus Ausflugsboote u.a. zum Loch Coruisk abfahren, ansonsten ist Elgol eine Sackgassenlage und dort ist der Hund begraben. Entsprechend sind im Restaurant meist nur die wenigen Hotelgäste zu Tisch und das Menü ist überschaubar. Aber famos!!! Wir haben selten so gut gegessen. Das Essen ist frisch und lokal und super zubereitet. Der Koch hat viel Spaß am ausprobieren, wofür die einsamen Wintermonate genutzt werden und was gefällt, wird im Sommer den Gästen präsentiert. Clare – die fantastische Gastgeberin des Hauses – und ihr Team achten auf Erzeugnisse, die auf Skye bei kleinen Anbietern gedeihen und so bekommt man dann unter anderem Miesmuscheln, die gerade mal vier Stunden aus dem Wasser sind. Ebenso ist das Frühstück hervorragend – ich hatte geräucherten Skye-Lachs mit Rührei und beides war hervorragend. Und ich bin nicht unbedingt ein Lachs-Liebhaber, da ich die Massenzucht nicht mag, aber dieser Lachs…..einfach eine andere Klasse!

Wir fühlten uns jedenfalls von Anfang an wohl und würde bei jedem nächsten Schottlandbesuch versuchten, hier wieder aufzuschlagen (ich vermisse es jetzt schon….). Auch hier kamen wir wieder perfekt mit den anderen Gästen ins Gespräch und so war der Aufenthalt sehr kurzweilig. Wenn wir von unserem Tagesausflug zurückkamen, bekam ich von Christine (?), der Küchenhilfe/Serviererin, erstmal ein schottisches Bier vorgesetzt und der Tag Gin in den gemütlichen Teil über….

Am ersten Tag in Elgol machten wir dann einen Bootsausflug nach ‚Loch Coruisk‘ (hatte ich schon erwähnt, wie leicht man mit den anderen Ausflugsgästen ins Gespräch kam?). Eine Tour entlang der Küste – vorbei an den örtlichen Robben, die uns norddeutschen natürlich nur ein müdes Lächeln entlockten – und dann wird man abgesetzt und kann eineinhalb Stunden den kurzen Weg zum Loch (der See hat keinen direkten Meereszugang) und dann rund um den See gehen. Er gilt als einer schönsten Spots auf Skye.

Links: das Meer. Rechts: Loch Coruisk. Dazwischen: Schottlands kürzester Fluss
Gestatten: Loch Coruisk

Abends machten wir dann noch einen Abendspaziergang die Straße entlang – und auf dem Rückweg stand dann eine Herde schottischer Hochlandrinder auf der Straße. Nicht nur ein paar Autofahrer trauten sich nicht so richtig da durch, auch wir als Fußgänger hatten gehörigen Respekt und schauten uns das erst mal aus der Ferne an. Letztendlich gingen wir durch die Herde durch und diese Tiere sind ja so dermaßen entspannt….

Am nächsten Tag – es sollten übrigens 23 Grad werden! (wir hatten ja praktisch immer Sonne!) – wollten wir eine Wanderung machen. Irgendwie gab es ein kleines Missverständnis mit Clare, wo wir starten sollten. Am Ende starteten bei der ‚Durch of Kilchrist in Richtung Suisnish – das Schild am Wanderweg besagte eine Entfernung von 3,3 Meilen – aber wer auch immer sich das ausgedacht hat, hat einen abstrusen Sinn für Humor. Es sind eher fünf Meilen…aber das stellten wir erst später fest. 3,3 Meilen sind so ca. fünf bis sechs Kilometer, also eine gute Stunde. Hin und zurück an die drei Stunden, das schien in unserem Sinne. Wir wanderten drauf los und es zog und zog sich. Nach ca. eineinhalb Stunden erreichten wir das Meer und fühlten uns etwas verloren. Hinter uns kam eine junge Amerikanerin, die denselben Weg entlang wanderte und zwar auf ihrem Smartphone eine Routenbeschreibung für die gesamte Umwanderung der Halbinsel hatte, sich aber auch etwas verloren vorkam. Dann kamen uns weitere Wanderer entgegen, die hatten eine altertümliche Karte (ich liebe die analoge Welt!) und es stellte sich heraus, dass wir ca. ein Drittel der Wanderung hinter uns hatte (ca. drei Meilen) und Suisnish noch weit war, aber die Strecke dorthin wunderschön sein sollte. Also entschlossen wir uns, den Weg weiterzugehen. Prognostizierte Strecke: acht Meilen und fünf Stunden.

In der Tat kam dann eine sehr schöne Strecke und am Scheitelpunkt der Strecke ging es hoch auf einen natürlichen Aussichtspunkt mit super Blick auf Loch Eishort – der Heimat unserer frisch gepflückten Miesmuscheln vom Vorabend – und Loch Slapin.

Unsrer Weg auf das Dach der Welt….
Blick auf Loch Eishort

Am nächsten Tag fuhren wir dann über die Fähre von Armadale nach Mallaig. In Armadale gibt es am Hafen ein paar kleine Shops für lokale / schottische Produkte, in denen man sich die Wartezeit schön verkürzen kann. Mallaig wiederum ist der Zielort des Harry-Potter-Zugs. Wir fuhren durch den Ort, den außer dem Zug gibt es da wohl nicht viel. Kurz hinter Mallaig verließen wir die A830 – die eigentliche ‚Scenic Route‘ -und fuhren auf der B8008 die Küste entlang, das war eine gute Entscheidung! Herrliche Sandstrände und generell hübsche Anblicke.

Strand an der B8008

Irgendwann kamen wir wieder auf der A380, die letztlich nicht so spektakulär schön war wie erwartet. Nach einiger Zeit kommt man dann zum Glenfinnan Viadukt – eigentlich ist dies der Ort des ‚Glenfinnan Monuments‘ zu Ehren von Bonnie Prince Charlie. Aber heutzutage wollen die meisten zu dem Harry-Potter-Viadukt.

Darf nicht fehlen: der Harry-Potter-Aquädukt…..

Der Rest der Strecke über Fort William war dann nicht so besonders, erst ab dem Abzweig nach Glencoe (bei Ballachullish) wurde es dann wieder spektakulär. In Fort William hatten wir allerdings einen hervorragenden Blick auf den Ben Navis:

Irgendwo bei Fort William oder Glencoe muss es dann auch zu dem Hotel und Restaurant ‚Corrour Station‘ gehen – das ist die höchst gelegene Eisenbahnstation Schottlands und total einsam. Dieses Mal haben wir es leider nicht dorthin geschafft, aber für den nächsten Schottlandbesuch steht das mit auf der Liste.

Auf dem weiteren Weg von Glencoe nach Oban sind dann noch ein paar schöne Foto-Spots, unter anderem das Castle Stalker:

Und immer wieder lohnen sich hier kleine Abstecher von der großen Straße. Abends kamen wir dann in Oban an. Wir übernachteten dort im Columba Hotel, das war ok. Die Oban Destillery ist direkt nebenan, das ist das Gute. Aber auch diese war weniger besuchenswert als Edradour. In Oban wollten wir übernachten, um schön in einen Pub zu gehen – letztlich bietet Oban da aber nicht so viel. Am Fährhafen – Oban ist der zentrale Fährhafen zum Besuchen der vielen vorgelagerten Inseln – soll es einen sehr guten Fisch-Imbiss geben, der war aber leider schon geschlossen. Letztendlich vertrauten wir einem TripAdvisor-Tip eines Pubs, der Lorne Bar, das war aber eher nicht so dolle. Danach gingen wir in den Pub direkt beim Hotel, dem Oban Inn. Endlich ein Laden ohne Homepage! Und dort spielte sich ein einsamer Gitarrist die Finger wund, der Laden war voll und wir hatten einen herrlichen Abend. Viele Locals, wie es schien, viele abgewrackte Typen, ein guter Laden, um sich zu betrinken. Eine Familie hatte die gefühlt 80-jährige Oma dabei, die in die Ecke gesetzt wurde und ab und zu Geräusche von sich gab. Aber sie war dabei! Und dann hatten wir noch drei Trinkkumpane direkt neben uns – gescheiterte Existenzen; eine hatte noch sein Jacke von der Fährfirma an, einer tänzelte leicht betrunken zur Livemusik, der Dritte war vollkommen in sich versunken – schon alles etwas schräg, aber lustig! Ich trank dort den Oban Distillery Special (den man eigentlich nur in der Destillery verkauft wird) für 14 Pfund das Gläschen – die Flasche in der Distillery kostet 100 Pfund – schmeckte aber nicht nach was besonderem. Insofern war ich froh, das ich im Destilliert-Shop zurückhaltend war. Danach wollte ich eine weitere spezielle Oban-Abfüllung trinken – der Barkeeper fragte extra noch mal nach, das Gläschen würde ‚thirteen pound‘ kosten – naja, man ist ja nur einmal in Oban, da kann man sich das ja mal gönnen. Als ich dann meine 20-Pfund-Note zum Bezahlen gab, guckte der Barkeeper etwas sparsam. Tja, es waren dann doch ‚thirty pound‘, man kann sich ja mal verhören… Die Flasche muss also im Laden etwas über 200 Pfund kosten. Aber es war ein sehr leckerer Whisky, total smooth, dieser teuerste Whisky meines Lebens…..Aber ich werde mich dafür ewig an diesen speziellen Abend erinnern.

Am nächsten Tag hatten wir dann eine ganz schön lange Strecke vor uns, wir wollten ja bis nach Edinburgh kommen. Die Strecke von Oban bis Lochgilphead war eine tolle Strecke, bei der viele schöne Abstecher möglich sind.

Uns führte ein Abstecher bei Arduaine in den dortigen Arduaine Garden, ein garten, der zum National Trust gehört. Eigentlich wollten wir dort hauptsächlich zum Aussichtspunkt, am Ende erkundeten wir aber den ganzen Garten. Er besteht vor allem aus unglaublich vielen Rhododendren, die jetzt im Mai alle in voller Blüte standen. Und da ich Rhododendren so gerne mag, blieb uns gar nichts anderes übrig, als alles anzuschauen. Das zugehörige Hotel mit Restaurant und einem tollen Ausblick wäre für die Übernachtung vielleicht besser gewesen als das Hotel in Oban…..

Ein weiterer Abzweig von der Hauptstraße führte uns nach Ardfern, einem Ort mit einem kleinen, schöner Yachthafen für die etwas wohlhabenderen. Schöne Scenerie dort, viele hübsche Wochenendhäuser. Könnte mir auch gefallen. 

An der Straße findet man dann auch immer wieder nette Hotels, hier eines mit eigenem Pub:  http://www.cuilfail.co.uk. Schade, dass wir keine Zeit hatten, einfach mal in so einem Teil zu bleiben und zu schauen, was der Abend so bringt….

Kurz vor Lochgilphead besuchten wir noch die Ruine vom Carnasserie Castle – durhaus einen Besuch wert, auch wenn nur noch Reste stehen. Es gibt aber schöne Schaubilder, die einem das frühere Leben in dem Schloss darbringen.

Von Lochgilphead ging es dann in Richtung Inveraray. Inveraray ist hübsches Städtchen, dort kann man auch mal übernachten. Wir aßen dort ‚Fish and chips‘ bei feinstem Wetter auf der Terrasse eines schönen Hotel mit nettem Pub, allerdings sind die Zimmer auch nicht ganz billig: https://www.thegeorgehotel.co.uk 

Tja, und dann ging es weiter über den ‚Rest-and-be-thankful‘-Pass – auch eine dieser Scenic Routes. Ist auch wirklich sehr schön.

Danach fuhren wir dann entlang des Loch Lomond gen Edinburgh – dies war ja eine Gegend, die wir ein Jahr zuvor schon erkundet hatten. In Stirling machten wir dann eine Pause und stellten fest, dass wir anstelle eine Übernachtung in Edinburgh eigentlich besser in Stirling hätten übernachten können. Der Flughafen ist von dort auch nicht mehr soweit und es wäre ‚gemütlicher‘ gewesen und wir hätten uns das in die Stadt mit der Flughafen-City-Tram ersparen können. In Edinburgh gingen wir in unser Hotel – das Old Waverley, sehr zentral, durchaus empfehlenswert, gutes Preis-Leistungsverhältnis – und machten dann noch einen Spaziergang im Nieselregen und blieben am Ende im hoteleigenen Pub-Restaurant und fielen nach diesen ereignisreichen Tagen in einen frühen, tiefen Schlaf…..

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