Südafrika im Oktober 2019

Im Oktober 2019 ging es für uns – zum zweiten Mal – nach Südafrika. Nachdem wir bei unserem ersten Besuch die Westküste oberhalb von Kapstadt und das Weinanbaugebiet erobert hatten, ging es diesmal unter anderem in die etwas ‚wilderen‘ Teile. Zumindest ein bisschen….

Los ging es am Abend des letzten Arbeitstages am 2. Oktober. Für den Hinflug gab es ein Angebot der Sorte ‚Sagen Sie uns, was ihnen die Business-Class wert wäre‘. Mein Spieltrieb war geweckt und ich bot knapp über dem Mindestgebot – und schwups, wir hatten Glück und konnten vergleichsweise günstig Business-Class fliegen. Dies war schon ein Erlebnis und sorgte für ein sehr entspanntes Ankommen in Johannesburg am nächsten Morgen. Von Johannesburg ging es dann weiter nach Durban, wo uns der Lodge-Guide Hans abholte. Zwei weitere Stunden Autofahrt , vorbei an endlosen Zuckerrohr-Plantagen und Eukalyptuswäldern, und wir waren in der Makakatana-Lodge im iSimangaliso Wetland Park. Dies ist ein staatlicher Nationalpark, in dem nur diese eine Lodge existiert. Der Park besteht hauptsächlich aus dem ‚Lake St. Lucia‘ und einem großen Landbereich drum herum. Dieser Landbereich ist normalerweise auch teilweise überflutet, auf Grund einer mehrjährigen Trockenheit (es regnet einfach zu wenig) ist dies aber reines Land.

Wir wurden herzlich in der Lodge empfangen und nach dem Ankommen ging es auf die ‚Nachmittags-Willkommens‘-Safari, um den Park kennenzulernen und einen Sundowner in der Wildnis zu nehmen. Da wir ja eine erholsame Nacht hatten, konnten wir dies natürlich genießen, ohne dauernd vom Schlaf übernächtigt zu werden. Auf der Safari sahen wir schon viele Gnus, Antilopen, Zebras, Giraffen und ein paar Rhinozerosse – und die allgegenwärtigen ‚Dung-Beetles‘, die Mistkäfer. Lustige Gesellen, die auf der Suche nach neuen Misthaufen gerne durch den offenen Jeep fliegen und dabei auch gerne mal gegen uns oder einen Autositz fliegen und dann erst mal benommen im Auto liegen bleiben, bis es dann weitergeht.

Auf den Safaris gibt es eigentlich immer ein Picknick – die Guides bauen dann einen kleinen Tisch mit ein paar Snacks auf und ein paar Camping-Stühle und schon kann man die Wildnis bei einem Gin-Tonic, kühlen Bier oder einem Glas Wein genießen. Nachdem die Sonne untergegangen war, ging es dann zurück in die Lodge.

Unser Zimmer war grandios, wir hatten eine Terrasse mit einen tollen Blick ich hinten raus auf ein weites Feld, auf dem Abends die Tiere – meistens kleinere Antilopen (Nialas) aber auch Warzenschweine – zum Grasen bis an unsere Terrasse herankamen.

Auf der gesamten Lodge bewegt man sich auf Holzstegen etwas oberhalb des Bodens und auch die Lodges sind hochgestellt. Dies ist natürlich dem ‚Wetland‘ geschuldet, aber auch den wilden Tieren, die sich hier nachts bewegen. Um sich im Dunkeln über die Stege zum Haupthaus zu bewegen (und Dunkel ist es ja schon recht früh, bekommt man starke Taschenlampen und spät abends begleiten einen die Ranger auch gerne noch bis vor die Tür – alles so gefährlich hier!

Nach der Sundowner-Safari gab es dann das Abendessen. Dies wird ein einer rund eingezäunten Fläche im freien serviert. In der Mitte loderte ein großes Feuer und man setzte sich erst mal um das Feuer und nahm einen Abenddrink und plauschte mit den anderen Gästen über die Tageserlebnisse. Dann ging es an die Tische und es gab köstliches Essen.

Zur Lodge gehört auch ein kleiner Pool – auch dieser etwas erhöht als Teil der Holzstege – und von dort kann man dann auch zum See runter gehen – aber bitte nicht zu weit! Im See leben ca. 1.000 Nilpferde und 2.000 Krokodile, wobei statistisch die Nilpferde gefährlicher sind.

Am nächsten Tag ging es dann auch schon auf das Higlight der Lodge, die Fahrt über den St.Lucia-See. Für diese Tour war dann neben Hans der eigentliche Guide für die Nilpferde dabei, ein ca. 75-jähriger Mann, der seit ewigen Zeiten in St. Lucia lebt und den See wie seine Westentasche kennt. Von ihm lernten wir viel Wissenswertes über die Nilpferde. Hier ein kleiner Exkurs: Nilpferde leben in Familienverbänden und bleiben immer an derselbe Stelle im Fluss bzw. im See. Tagsüber leben sie im Wasser (oder am Flussufer) und abends verlassen sie dann den See und gehen, auf der Suche nach Futter, bis zu 15 Km ins Landesinnere. Trotz ihrer Körperfülle sind sie recht schnell unterwegs und so kann es, wenn man Nachts auf sie trifft, dann auch zu einem der vielen tödlichen Zusammenstößen mit Menschen kommen. Unser Guide erzählte, das auch in seinem Garten in St. Lucia nachts gerne mal ein Nilpferd steht. Ihre Familie verlassen nur die weiblichen Tiere, wenn sie sich mit einem Bullen einer anderen Familie paaren. Und wenn man sich fragt, ob die ganzen Nilpferde nicht von den Krokodilen gefressen werden – nein, da ziehen die Krokodile den kürzeren.

Wir fuhren auf dem See dann bis zu einer Nilpferd-Familie, die nicht, wie die meisten anderen, untertauchen, sondern gemütlich auf ihren Ufer-Abschnitt verbleiben.

Zusätzlich zu den Nilpferden sahen wir auch noch ein paar Krokodile – zunächst ein kleines Baby-Krokodil auf einem Ast, kaum sichtbar. Und dann fuhren wir noch in ein kleines Schilfs-Stück und schreckten dort zwei große Krokodile auf, die dann fluchtartig ins Wasser verschwanden – eines davon direkt neben unserem Boot. Ach, wie aufregend….

Nach den Nilpferden ging es dann auch wieder zurück und wir bekamen unser unvermeidbares Picknick in der Wildnis direkt am Fluss. Auf dem Rückweg gab es dann noch ein paar wilde Tiere, unter anderem einige Giraffen, viele Wasserbüffel (erstaunlich beeindruckende Tiere) und Elefanten. Wir sahen zuerst einen Jungbullen, der erst mal eine Palme niedermachte – aber dafür sind die Elefanten ja da, das Gelände würde sonst voller Bäume stehen. Später sahen wir dann noch einen ausgewachsenen Bullen und konnten recht nah an ihn herankommen.

Zurück auf der Lodge gab es dann ein schönes Windhuk-Bier (kommt natürlich aus Namibia und als ehemals Deutsch-Südwestafrika braut man dort natürlich das besserer Bier) am Pool und danach eine schöne Erholung auf der Terrasse mit Blick in unsere Hinterhof-Wildnis. Ist schon ziemlich entspannend hier…. Abends dann wieder das Menü im Runddorf unter freiem Himmel. Und dann wurden wir während des Abendessens auf die Eingangsveranda gerufen – den im Dunkel waren im Einfahrtsbereich – nur 50 Meter von der Veranda entfernt – zwei Nilpferd-Bullen und ein Weibchen mit kleinem Jungen zu beobachten, die sich dort an einem kleinen Wasser ihren Durst löschten. Der Respekt auch der Lodge-Mitarbeiter und Guides war bemerkenswert – keiner verließ die sichere Veranda, zu schnell sind die Nilpferde auf kurzer Distanz (schneller als ein Mensch). Abends brauchten die Guides uns dann auch lieber die Holzstege bis zur Unterkunft.

Am folgenden Tag ging es tagsüber in den nördlichen Bereich des Parks. Dort ist weniger ’savannig‘, eher bewaldet und es gibt viele Vögel zu hören (und manchmal zu sehen). Wir fuhren dort zu einer verlassen Lodge – keiner weiß so richtig, warum sie verlassen wurde. Zur Lodge gehörte auch ein Pfahl-Gebäude über dem Wasser, in dem wir spontan ein Restaurant mit Vogel-Beobachtung eröffneten – den von dort hatte man einen besten Blick auf die Flamingos auf der anderen Flußseite. Die Flamingos erfreuten vor allem auch unseren Guide, denn es waren die ersten Flamingos seit Jahren, die hier gesichtet wurden.

Auf dem Weg zu der verlassenen Lodge fuhren wir kilometerlang an den Eukalyptus-Plantagen vorbei. Diese werden überall in Südafrika für die Holzproduktion angebaut, da sie so schnell wachsen, sind aber ökologisch eine Katastrophe. Sie verbrauchen viel Wasser und ‚desinfizieren‘ den Waldboden um die Stämme, so dass dort nichts anderes mehr wächst. Im Park werden diese Plantagen langsam zurückgebaut und die Flächen renaturiert. So lange die Plantagen und somit die Waldarbeiter aber noch dort arbeiten, kann kein Löwe im Park angesiedelt werden.

Abends ging es dann auf eine Nachtsafari. Dabei wird mit den sehr starken Taschenlampen in die Dunkelheit geleuchtet und die Tiere anhand des Licht-Widerscheins in den Augen erkannt. Wir erkannten natürlich erst mal nichts, aber unsere Guides brachten uns das Erkennen anhand der Farbe des reflektierten Lichts, der Größe, der Höhe vom Boden etc. bei. Spannend wurde es dann, als wir eine Horde Hyänen verfolgten,, die dann doch sehr überraschend direkt hinter unserem Jeep die Straße überquerten. Etwas später konnten wir dann die Jagd der Hyänen auf ein Gnu verfolgen – verfolgen heisst hier, dass wir standen, die lauernden Hyänen an dem Widerschein ihrer Augen erkennen konnten und das Gnu sowie die ‚jagende‘ Hyäne an den rufen. Auch für unsere Guides eine sehr aufregende Situation, denn auch sie erlebten so etwas zum ersten Mal. Die Jagd fad so statt, dass in unserer Nähe mehrere Hyänen auf der Lauer waren, in der Ferne eine Hyäne laute Rufe vernehmen ließ und damit versuchte, ein Gnu in die Gruppe der lauernden Hyänen zu treiben. Am Rufen des Gnus konnte man seine Verunsicherung erkennen – es spürte, irgendetwas stimmt hier nicht; es wußte aber nicht so ganz, was nicht stimmte. Das Ganze zog sich ca. eine halbe Stunde hin und am Ende zog das Gnu (es war ‚Bob‘ – ein dem Team bekanntes Gnu) unbeschadet von dannen. Unsere Guides waren einerseits froh, dass Bob ihnen erhalten blieb; andererseits hätten sie aber bestimmt auch gerne das Erlebnis einer erfolgreichen Jagd verfolgt.

Am letzten Tag auf der Lodge fuhren wir dann am südlichen Rand bei St. Lucia aus dem Park heraus und auf der anderen Seite wieder in den Park hinein, der hier zwischen dem See und dem indischen Ozean liegt. Während der Fahrt hörten wir viele Vögel und unsere beiden Guides stellten sich als wahre Vogelkundler heraus. Unglaublich, was die beiden alles über die Vögel wußten und diese erkennen konnten. Und dann hatten sie eine fantastische Bird-App auf ihren Handys, mit denen sie uns die Vögel zeigen und die zugehörigen Laute vorspielen konnten.

Wir fuhren am Ende eine kleine Straße entlang und landeten am Strand – ein superschöner Sandstrand, den wir komplett alleine mit unserer Gruppe (ca. acht Personen) für uns hatten. Ein Wellengang und Strömung wie an der französischen Atlantikküste – man konnte also mal ein bisschen in die Brandung.

Nach dem Strandaufenthalt gab es dann wieder das obligatorische Picknick mit ein paar Leckereien und kalten Getränken.

Am nächsten Tag mussten wir dann die Lodge verlassen und wurden nach Durban gefahren. Auf dem Weg hatten wir eine angeregte Unterhaltung mit einem der Guides über Rassismus, die politische Zukunft Südafrikas etc. In Durban bestiegen wir dann unseren Flieger und über Johannesburg landeten wir dann in Port Elizabeth. Durch den Zwischenstopp in Johannesburg war dann leider Dagmars Koffer abhanden gekommen. Zum Glück ließ sich der Aufenthaltsort schnell ermitteln und die Zustellung für den kommenden Tag war zugesagt. Darüber war es mittlerweile schon spät geworden, also Mietwagen abgeholt und ab zum B&B. Diese liegt zwar schon in einer der besseren Gegenden und trotzdem: es ist in Südafrika immer besser, bei Tageslicht anzukommen. Man will wirklich nicht im Dunkeln eine Unterkunft suchen. Wir fanden unser B&B und dieses war von einer ca. zwei Meter hohen Mauer mit Stacheldraht oben auf umgeben, sehr vertrauenserweckend. Wir wollten dann zu Abend essen und hatten ein Restaurant zwei Blöcke entfernt rausgesucht – also nicht weit entfernt und doch fährt man dies wieder mit dem Auto. Im B&B meinte man, wir könnten natürlich auch zu Fuß gehen, aber sollten dann lieber niemanden nach dem Weg fragen oder ähnliches – zu auffällig. Aber es ist sowieso kaum jemand ab Einbruch der Dunkelheit zu Fuß unterwegs. Wen soll man da fragen?

Wir also mit dem Auto zum Restaurant und obwohl wir direkt vor dem Restaurant auf der Straße parkten, war da einer der ‚Parkwächter‘ – arme Gesellen, die sich ein bisschen Geld verdienen, in dem sie auf die Autos aufpassen, beim Ein- und Ausparken helfen etc. Man gibt ihnen fünf oder zehn Rand, was ca. 30 Cent entspricht. Nach dem Essen – gutes indisches Essen – fuhren wir dann noch die eigentliche ‚Restaurantmeile‘ von unserem Viertel entlang, was aber eher traurig ist. Da geht ja keiner flanieren und schaut sich die verschiedenen Speisekarten an, sondern alle fahren mit dem Auto direkt auf den Parkplatz des Restaurants ihrer Wahl. Es mag nettere Ecken in PE geben, wo es Abends entspannter zugeht, aber Port Elizabeth scheint nicht gerade eine Stadt zu sein, in der man länger bleibt.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück dann los auf die Garden Route. Erst mal mussten wir natürlich den Weg aus der Stadt finden und ich fragte die Managerin, welche der beiden Möglichkeiten wir wählen sollten. Sie empfahl eine Strecke und sagte zur anderen nur: ‚Da wollen Sie nicht entlangfahren‘. Da wir uns irgendwie dann doch verfuhren und auf die falsche Strecke gekommen waren, wusste ich dann auch warum. Ein lange Strecke durch eines der Armenviertel – keine Wellblechhütten, aber viel Armut auf der Straße, zwischendurch immer mal wieder heruntergekommene Gewebegebiete. Man hätte ungern eine Reifenpanne…..

Irgendwann waren wir dann raus aus P.E. und unser erster Stopp war dann Jeffrey Bay. Ein angenehmer Surf-Spot mit vielen Shops der bekannten Surfer-Marken aber auch einiger lokaler Hersteller. Jeffreys Bay gehört sicherlich zu den Orten an denen man sich vorstellen kann, abends auch mal zu Fuß von Kneipe zu Kneipe zu gehen. Zunächst wollten wir etwas entspannen und gingen auf einen Tee in das Restaurant ‚De Viswijf‚ – schöner Laden mit nettem Ambiente und einem prima Blick über den breiten und langen Sandstrand. Ausserdem hat es eine gute Karte – wenn wir über Nacht geblieben wären, wären wir hier sicherlich eingekehrt. Nach dem Tee ging es dann aber doch ein bisschen shoppen – das dauerte ob des breiten und günstigen Angebots dann viel länger als geplant. Am Ende verging so viel Zeit, dass wir vor der Weiterfahrt erst mal im ‚De Viswijf‘ aßen. Danach ging es dann auf die Garden Route. Hinter Jeffrey Bay ist es erst mal noch nicht so spannend, das startest dann beim Tsitsikama National Park. Wir wollten dort dann eigentlich zu der weltbekannten Hängebrücke, da es mittlerweile aber schon später nachmittag war, die Brücke etwas abseits der Hauptstraße liegt und wir unsere Unterkunft noch bei ausreichend Sonne genießen wollten, verschoben wir diesen Tagespunkt auf den kommenden Tag.

So kamen wir gegen 15 / 16 Uhr in unserer Unterkunft ‚Arch Rock‚ in Keurboomstrand (etwas vor Plettenberg Bay gelegen) an – die Ankunft war etwas holprig, da sich die Inhaber wohl irgendwie gestritten und aufgeteilt hatten. So gab es jetzt einmal den kleinen Campingplatz und dann unsere Unterkunft mit den wenigen Strandhäuser. Das Ensemble war eine Empfehlung und nebenan das Restaurant ‚Enrico‚ – das hatten wir sogar von zwei Seiten unabhängig voneinander empfohlen bekommen. Und ich denke, in der gesamten Kombination war dies war mit die beste Unterkunft. Unser kleines Strandhaus hatte Platz für ca. sechs Personen, eine kleine Veranda mit Grill und direkt oberhalb des Strandes mit einem fantastischen Blick auf den Strand, der praktisch nur von den Gästen der wenigen Häuser hier genutzt wurde, Von der Veranda ging eine kleine Treppe direkt zum Strand und von dort waren es dann ein paar weitere Meter auf einem Holzsteg einmal um die Ecke und man war im Restaurant ‚Enrico‘ – am Nachbarstrand gelegen, der auch wieder wunderschön war. Die Sonne schien, auf der Veranda des Restaurants gab es noch ein Plätzchen und eine gute Weinkarte – was will man mehr. Wir genossen dort den lauen nachmittag und man bekommt eine Ahnung davon, wie lebenswert es in Südafrika sein kann (allerdings natürlich nur für die wenigen Menschen mit Geld, wie man sich hier immer wieder bewußt wird). Solche Momente machen den Unterschied.

Blick aus der Unterkunft am ‚Arch Rock‘ auf den leeren Strand
Blick von der Veranda auf den Strand

‚Savoir vivre‘ oder wie das heisst – jedenfalls ein wunderschönes Leben mit so einem Ausblick, der Sonne und einem guten Wein….

Wir genossen also den leckeren Wein – so gut, wenn man nur zu Fuß einmal um die Ecke muss – und den netten Kellner, mit dem ich ein bisschen über Weine fachsimpeln konnte. Er empfahl mir dann auch den leckersten Weißwein des ganzen Urlaubs, den ‚Life from stone‘ des Springfield-Weingutes in Robertson (die wann dann in unserer Zeit in Robertson natürlich besuchten). Wie so häufig mit den Weinen, gehört natürlich auch immer die schöne Umgebung zum Wohlgefallen dazu – zu Hause ist das Geschmackserlebnis dann doch anders….

Leicht nachmittäglich angetütelt aßen wir dann bei Enrico mit Blick in den Sonnenuntergang ein herrlich frischen ‚Fisch des Tages‘ und ließen es uns gut gehen. Bis wir dann fast direkt von dort ins Bett fielen…..

Blick von unserem Tisch aus in den Abend…..

Am nächsten Morgen dann die etwas unglückliche Überraschung: es kann in Südafrika auch schlechtes Wetter im Oktober geben….. Es war regnerisch und so verließen wir unsere Unterkunft (in der wir es auch gerne noch mehrere Tage ausgehalten hätten – Enrico hatte bestimmt noch mehr Leckereien auf seiner Karte) und gingen erst mal frühstücken. Wir probierten einfach mal den ersten besten Stopp aus und landeten im ‚Thyme and again‚ – einem liebevollen kleinen Laden (Farm stall) mit Bäckerei und mit angeschlossenem kleinem Café – oder so ähnlich. Zu kaufen gäbe s dort alles mögliche an örtlichen Produkten und dann noch eine kleine Ecke zum frühstücken, auf Grund des Wetters drinnen; draußen wäre es wohl etwas geräumiger gewesen. Jedenfalls ein toller Laden mit viel Herzblut. Dagmar kaufte sich erst mal einen schönen selbstgemachten Korb und eigentlich hätte man den ganzen Laden aufkaufen können.

Das äußerst nicht-konzern-getriebene Verkaufsregal im ‚Thyme and again‘
Leckere Schweinerei: ‚Shakshuka‘ – Eier mit Mozzarella und Tomatensoße

Es war herrlich und eine weiteres Highlight. Irgendwann mussten wir dann aber doch in diesen verregneten Tag hinaus…

Für die Hängebrücke im Tsitsikama war es eindeutig nicht das richtige Wetter – so entschlossen wir uns, ein bisschen mit dem Auto ein paar ‚Scenic-Routes‘ zu fahren (die R102 zum ‚Nature Valley‘) und vor allem dann doch ‚Birds of Eden‘ zu besuchen. Das ist eine riesige Voliere, in der hunderte Vögel zu beobachten sind. In Ermangelung besseren Wetters gingen wir da dann durch und man kann sicherlich drüber streiten, ob dies nun eine sinnvolle Einrichtung ist oder doch eher Vögelquälerei. Genug Fläche, um herumzufliegen hat die Voliere allerdings eindeutig. Ob die Strecken für alle Vögel aber ausreichend sind…..Erinnerungen an den Vogelpark Walsrode wurden jedenfalls wach. Danach ging es dann zum ‚Nature Valley‘, einem weiteren menschenleeren Strand….

Dann wurde der Regen immer stärker und Tsitsikama mussten wir nun endgültig abschreiben. Wir machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft in Wilderness. Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Plettenberg – diese schon etwas größeren Touristen-Städte sind meistens nicht sehr interessant, sondern nur eine massenhafte Ansammlung von Unterkünften, Restaurants etc. – aber wir gaben Plettenberg eine Chance und ich wollte mir gerne das Boutique-Hotel ‚Grand Africa‘ anschauen – da kamen wir zwar nicht hin, aber in das zugehörige Restaurant mit Blick auf den Strand, das ‚Grand Africa Lookout Beach‚. Unten auf Strandebene hat das Restaurant ein sehr luxuriös anmutendes Ambiente, mit Sandstrand auf dem Fussboden und in die Einrichtung eingearbeitete Teile der Klippe, an dem das Restaurant gebaut ist, wie z.B. auf der Toilette:

Toilette mit Klippe
Ambiente mit Sandstrand

Über dem etwas exklusiv anmutenden Restaurant gibt es dann noch ein erhöht gebautes Restaurant, eher mit Imbiss-Charakter aber einem herrlichen Blick. Ich denke, vor allem Abends ist dies eine tolle Location für einen Sundowner, aber weder das Wetter noch die Uhrzeit waren entsprechend. Danach ging es die Garden Route weiter Richtung Wilderness. Als wir durch Knysna fuhren, regnete es in Strömen, so dass wir den Zauber dieses Ortes leider überhaupt nicht erkunden konnten. Das schlechte Wetter blieb uns hold bis wir in Wilderness in unserer Unterkunft ankamen, dem Serendipity-B&B. Das Serendipity ist ein sehr nettes, gepflegtes B&B. Die Lage ist super mit Blick auf den Fluss touwsrivier gelegen – und unser Zimmer hatte eine super Gemeinschaftsveranda mit Blick über den Garten und dem angrenzenden Fluss – dort kann man sehr schön den Abend und den – im Zimmerservice enthaltenen – Portwein genießen.

Abendstimmung im Serendipity

Einziges Manko ist die Hauptverkehrsstraße auf der anderen Seite des Flusses, dessen Rauschen im Hintergrund zu vernehmen lassen. Und in den letzten Jahren wurden wohl viele B&B direkt an Strand gebaut – wer also direkten Strandzugang möchte, sollte sich woanders Einbuchen.

Was aber der Hammer im Serendipty ist, ist das ‚hauseigene‘ Restaurant. Im Aufenthaltsbereich stehen ca. sechs – acht Tische für die Gäste (Gäste des B&B, aber auch für außerhäusige Gäste)zur Verfügung, also ein sehr kleines Restaurant, welches von der Tochter der Besitzer mit ihrem Ehemann betrieben wird. Wenn man sich für das Menü dort entscheidet, wird man zur Tischzeit zunächst in die Bibliothek gebeten und die Köchin erläutert das Menü, wobei man sich immer zwischen zwei Menüs entscheiden kann. Zusätzlich kann man ein begleitendes Wein-Menü bekommen. Die Köchin/Tochter ist mittlerweile für ihre Kochkünste ausgezeichnet und es gilt als eine der besten zehn Restaurants der Garden Route. Und das Essen ist wirklich super (und bei dem derzeitigen Wechselkurs kostet so ein super-vier-Gänge-Menü ca. 60 EUR), es war definitiv mit das beste Restaurant der Reise (ich glaube, das Beste – besonders der Springbock, gejagt in der Wildnis ist dies ein unglaublich gutes Steak und natürlich ohne jedes Gramm Fett. Fett ansetzen kann sich der Springbock in der Wildnis einfach nicht leisten….) , wir haben selten so gut gegessen und die dazu servierten Weine waren der Hammer! Und dazu alles noch so entspannt, familiär und gemütlich. Absolut Empfehlenswert!!

Am nächsten Tag war der Ausflug zum ‚Swartberg Pass‘ und Prince Albert. Wir fuhren über Outshoorn – da fährt man wohl eher nur durch, die Gegend ist aber bekannt für die vielen Straußenfarmen. Man konnten dort in der Umgebung also überall bemalte Straußeneier kaufen, auf Straußen reiten und all so einen Kram. Wir nahmen in einer der größeren Restaurants für die Ausflugsbusse einen Straußenburger – war lecker. Dann fuhren wir zur weltberühmten Tropfsteinhöhle, entschieden dann aber (Wartezeit gute halbe Stunde, Führung ca. eine Stunde), dass das alles zu knapp wird. Schließlich will man noch im hellen wieder in der Unterkunft ankommen und wir waren mittlerweile spät dran. Wir fuhren dann also über den ‚Swartberg-Pass‘, die Strecke dorthin ist eine steinige Schotterpiste – man kann sie mit einem normalen Wagen fahren, aber wir waren schon recht froh über unseren kleinen SUV mit seiner Bodenfreiheit. Und trafen auch ein paar Deutsche mit einem regulären Wagen, die etwas unglücklich über die Piste wirkten….

Der erste Teil der Strecke – von Süden kommend – ist noch etwas unspektakulär und erinnert mit dem rötlichen Boden von der Landschaft ein bisschen an Teile von Mallorca. Der zweite Teil der Strecke wird dann spektakulärer, man hat Blick auf fantastische Bodenverwerfungen. Und dann kommt man an den Kakteen vorbei, die so lustig wie Männchen mit Schopf scheinbar Wache stehen.

Danach kamen wir dann nach Prince Albert, einem sehr pittoresken Örtchen, sehr hübsch und verdient sicherlich einen kleinen Aufenthalt. Wir waren allerdings weiterhin recht spät dran und gingen nur kurz was ein kleinen örtlichen Supermarkt einkaufen. Nach den touristisch ausgebauten Örtchen an der Garden Route war Prince Albert in seinem verträumten ‚Hinterwäldertum‘ schon ein kleiner Kulturschock. Auf dem Rückweg ging es dann über die R407 Richtung Klaarstrom und De Rust über einen anderen Pass zurück.

In Klaarstrom wollten wir dann im hiesigen Hotel zum Tee einkehren, war eine Empfehlung aus dem Reiseführer. Wir also von der R407 abgefahren in Richtung ‚Klaarstrom-Downtown‘ – Klaarstrom-Downtown ist dann in etwas eine Straße von ca. 500m Länge. Kaum ist man in Klaarstrom, ist man auch schon wieder draußen. Am Hotel sind wir erst mal vorbeigefahren, weil wir dachten, dass kann es ja nun nicht sein – völlig unscheinbar von außen und keine Autos auf dem Parkplatz. Am Ende von Klaarstrom dann doch noch umgedreht und dem Gebäude, welches ein Hotel beherbergen sollte, dann doch eine Chance gegeben. Und so unscheinbar das Gebäude von außen war, so umwerfend war es von innen. Wir waren die einzigen Gäste und mussten die Bedienung, einen jungen Kerl, erst mal aus der Küche holen. Die Hotelbar war ein Sammelsurium von alten Dingen und man kann sich gut vorstellen, wie sich hier am Freitag- und Samstagabend die Farmer auf einen gepflegten Absturz nach einer harten Woche treffen. Und die Hotelbar war voller Entdeckungen – in einer Glasvitrine ein Hochzeitskleid. Wie sich herausstellte kommt aus Klaarstrom ein bekannter (ok, wir kannten ihn nicht…) Musikvideo-Regisseur, der auch schon hier drehte und das Hochzeitskleid war eine Requisite daraus. Man konnte auch außerhalb der Bar draußen sitzen; die Terrasse war überdacht und mit Hilfe ein paar einfacher Teppiche und durchgesessener Sofas und Sessel kam dort eine Art Wohnzimmer-Feeling auf.

In Klaarstrom war definitiv der Hund begraben, völlig relaxt. Eine Szenerie wie man sie sich irgendwo in den Weiten der US-amerikanischen Ebenen vorstellt. Der Barkeeper erzählte dann, dass die meisten Gäste durchreisende seien – in Südafrika fährt man ob der großen Distanzen nicht innerhalb eines Tages bis zum Reiseziel, da wird zwischendurch noch ein Nachtstopp gemacht! Und am heutigen Abend hatten sie wohl eine große Gesellschaft und bereiteten ein italienisches Menü vor. Man ist im Klaarstrom-Hotel nicht vor Überraschungen gefeit….

Danach fuhren wir – nach einem kurzen Halt an einem Wasserfall, den man natürlich unbedingt besichtigen muss – dann weiter nach De Rust – dort wollten wir eine Kleinigkeit essen. Wir hielten in der kleinen Stadt vor einem kleinen Cafe, das wir uns ausgesucht hatten. Der Besitzer kam uns schon entgegen um uns mitzuteilen, das er für heute schon gerade jetzt schließen würde – es war später nachmittag. Irgendein Fest. Aber, er meinte, das Café an der Ortseinfahrt wäre noch geöffnet. Wir fragten, ob wir denn da auch zu Fuß hingehen könnten (das war so ca. ein knapper halber Kilometer). Er stutzte kurz und meinte, ja da könnten wir natürlich auch zu Fuß hingehen. Aber er sagte dies mit der südafrikanischen Attitüde, das man dies normalerweise natürlich niemals tun würde. So gingen wir denn zu Fuß durch dieses recht normale Örtchen. De Rust liegt an einem Straßen-Knotenpunkt und hat einen kleinen Bus-Bahnhof. Und ist ein eher ärmlicher Ort. Wie das in ärmlichen Gegenden so ist, da gibt es auch Obdachlose mit Alkoholproblemen, das war nicht zu übersehen. Rund um den Busbahnhof waren schwarze Frauen mit Verkehrswesten mit der Aufschrift ‚Neighborhood Watch‘ zu sehen und es waren Schilder angebracht, dass man den Bettlern kein Geld geben möge, es würde nur für Alkohol und Drogen ausgegeben. Alles in allem eine Szenerie, die einen nicht unbedingt beruhigt. Obwohl es überhaupt keine echten Anzeichen von Gefahr gab, fühlten wir uns nicht wirklich wohl.

De Rust am Fuße der Svartberge- irgendwo im Nirgendwo

Alles in allem gingen wir einmal die Hauptstraße bis zum Ortseingang und dann wieder zurück und entschieden uns für die Weiterfahrt. Wir wollten ja im hellen zu Hause ankommen…. Da hatten wir allerdings die Rechnung ohne die südafrikanischen Baustellen gemacht. Von den folgenden 35 Km waren ca. 25 Km Baustelle. Und eine Baustelle in Südafrika funktioniert wie folgt: es ist generell nur eine Fahrtrichtung befahrbar und wenn man sich der Baustelle nähert, steht da irgendein bemitleidenswerter Bauarbeiter oder Bauarbeiterin und hält das ‚Stop‘ oder ‚Go‘-Schild hoch. Bei ‚Stop‘ darf man dann warten, gerne zehn oder zwanzig Minuten, da sich die einspurige Strecke über mehrere Kilometer erstreckt und das langsamste Fahrzeug natürlich die Dauer bestimmt. Per Funk wird dann durchgegeben, wie das letzte Auto aussieht oder wie auch immer die Kommunikation im Detail erfolgt. An den Baustellen mit besonders langen Wartezeiten finden sich dann auch mobile Händler ein, die Staubwedel aus Straußenfedern und ähnliches verkaufen. Man selbst kann aussteigen und die Sonne genießen oder was auch immer.

Übrigens, um ein mal einen Anhaltspunkt für die Armut zu geben: so ein Bauarbeiter verdient wohl ca. 100 Rand am Tag, das sind so etwa sieben EUR. Die Parkwächter, die einem offiziell beim Ein- und Ausparken helfen aber letztlich dafür sorgen, dass die Autos unbeschädigt bleiben, bekommen von den Einheimischen vielleicht fünf Rand oder auch etwas weniger. Als Touri sind zehn Rand zu zahlen schon ein ziemlich hohes Entgelt – in Ermangelung von ausreichendem Kleingeld habe ich manchmal aber auch zwanzig Rand gegeben – ein irres Geld, wenn man dies mit den Einkünften der Bauarbeiter vergleicht.

Letztlich kamen wir so gerade noch rechtzeitig zu unserem Abendessen in unserem leckeren B&B-Restaurant nach Hause. Am Folgetag machten wir dann eine Wanderung im ‚Wilderness National Park‘, der gleich um die Ecke von unserem B&B startet und eine einfache, angenehme Strecke ist. Man geht eine gute Stunde entlang des Touwsriver durch das Pflanzendickiicht und kann dabei allerlei Vögel beobachten – schöner als im ‚Birds of Eden‘, wie ich fand – und endet an einem natürlichen Schwimmbecken am Fuße eines Wasserfalls. Netter Walk, um sich die Füße zu vertreten und mal nicht im Auto zu sitzen. Danach eroberten wir Wilderness. Eigentlich wollten wir Postkarten shoppen, aber die findet man heute ja nicht mal so eben. Jedenfalls ist Wilderness ein nettes Städtchen mit einigen Läden und Restaurants und man kann sich dort prima zu Fuß bewegen. Wir fanden dort auch gleich ein kleines Lieblings-Cafe, das Green Shed Coffee Roastery. Ein sehr entspanntes Cafe; ich meine, in einem alten Kolonialwarenladen, so was in der Tat und hat das Flair eines Aussteiger-Projektes. Lieblingsort in Wilderness…

Und es gab in Wilderness eine kleine ‚Fridays for future‘-Demo. Die haben aber vorsichtshalber keinen Straßenverkehr blockiert oder ähnliches. Wilderness hat ausserdem einen sehr schönen und langen Sandstrand. Da sind wir dann entlang spaziert und es war wie ein warmer Sommertag an der dänischen Nordseeküste. Am Strand haben sich mittlerweile viele Privathäuser und B&B’s angesiedelt – sicherlich auch eine schöne Location für einen Urlaub.

Wilderness

Da der Tage immer noch jung war, fuhren wir auf gut Glück nach Victoria Bay in die Nachbarbucht. Diese tief eingeschnittene Bucht ist von hohen Wänden umgeben und stellte sich als absoluter Surf-Spot heraus. Ein schöner Strand auch zum Baden, aber vor allem waren hier Unmengen an Surfern unterwegs. Entlang der Bucht geht ein längerer Weg entlang, an dem auch einige Häuser eng an den Gesteinshängen anliegend gebaut sind. Die meisten Surfer paddeln nicht durch die Wellen bis zu ihrem Aussichtspunkt, sondern gehen über diesen Weg bis hinter die ersten Wellenkämme und kämpfen sich dann durch das Gestein im Wasser, an dem sich die Wellen brechen. Das sieht absolut gefährlich aus und am Ende des Weges ist auch eine kleine Grotte mit Gedenkplatten für die verstorbenen Surfer, die meisten davon noch recht jung.

Und nun noch ein kleiner Exkurs zum Thema Infrastruktur in Südafrika. Es kann wohl häufiger – z.B. erlebten wir das in Kapstadt – mal zu einem Stromausfall von einigen Stunden kommen. In Wilderness passierte dann an unserem zweiten Tag sogar, dass die : Wasserzufuhr für den ganzen Ort zusammenbrach – irgendeine Pumpe war defekt und die Reparatur sollte zehn Tage dauern. Ein Alptraum für jeden Hotelier und die Restaurants. Wir bekamen erst mal ein paar Eimer zum Spülen auf’s Zimmer und anstelle der Dusche gingen wir in den Fluss, lag ja direkt an dem Grundstück unseres B&B. Und irgendwie gelang es unseren Gastgebern mit Hilfe von Wassertankfahrzeugen, einen hauseigenen 500l-Tank zu befallen, so dass das Restaurant weiter betrieben werden konnte. Wir wurden nur gebeten, mit dem Duschwasser umsichtig umzugehen. Man muss mit diesen Widrigkeiten klarkommen und einfach relaxt bleiben, dann geht auch das. Unsere Gastgeber in unserem B&B haben die Situation jedenfalls großartige gemeistert und auch wenn sie untröstlich waren, bemerkten wir kaum etwas von diesem Malheur.

Am nächsten Tag hatten wir dann einen ziemlichen Törn nach Gaansbai vor uns. Erst mal ging es in George auf den samstäglichen Wochenendmarkt. Wie immer diese Märkte in Südafrika ein Gemisch aus ‚Produkte der Region‘ und dem wöchentlichen Treff der Farmer aus der Umgebung. Leckeres Essen wird genauso angeboten wie handwerkliche Arbeiten sowohl von schwarzen wie auch weißen Künstlern als auch kleine Vergnügungen wie z.B. die Fahrt mit der Bimmelbahn aus alten Fässern über’s Gelände.

Dagmar kaufte sich hier ihr unglaubliches Nilpferd-Foto, welches bereits das Cover des National Geographic geziert hat.

Dann ging es weiter – Mossel Bay ließen wir links liegen, diese mittelgroßen Tourie-Städte sind letztlich in unseren Augen nicht sonderlich interessant. Wir fuhren unterwegs lieber bei der R305 ab in Richtung ‚Still Bay‘. Auf diesem Weg liegt die Inverroche Destillery, die unseren Lieblings-Gin herstellt. Die Destillery wurde erst 2012 gegründet und nutzt das typische Finbos-Vegetation, die heimischen Kräuter rund um das Kap. Wir genehmigten uns ein kleines Tasting, aber wirklich nur ein kleines, wir mussten ja noch fahren. Aber die Destillery lohnt sich und auch die Fahrt dorthin ist recht schön. Nach dem Testing fuhren wir dann nach Still Bay. Ein schöner Ort am Ende der Welt und wir endeten am Hafen. Wir gingen in das Anchor-Restaurant, ein kleines Hüttchen mit frischer Seebrise, ganz basic und einem tollen Blick auf den Hafen und die See. Am Pier kamen immer Autos an und entliessen Boote zum Fischen ins Wasser oder holten sie raus.

Entspannter Stop im Anchor Restaurant in Still Bay

Dann fuhren wir zu Lindi nach Gansbaai in unsere Unterkunft vom Marine 5 Guesthouse. Ach, was war das eine Freude, Lindi und ihren Koch Reggie wiederzusehen. Und diesmal gönnten wir uns das Zimmer mit dieser sensationellen Aussicht, bei dem man schon beim Aufwachen Ausschau nach den Walen halten kann.

Unser Königs-Zimmer bei Lindi in Gansbaai mit Rund-um-Blick in die Bucht und auf die Wale

Am nächsten Morgen ging es dann auf Wal-Safari, die im Herbst hier in der Bucht von Hermanus durchgeführt werden kann. Wir waren von Gaansbai / De Kelders unterwegs mit Ivanhoe Sea Safaris und das war eine sehr gute Entscheidung. Im Gegensatz zu den recht kommerziellen Unternehmen in Hermanus legt Ivanhoe sehr viel Wert auf die Rücksicht auf die Wale. Ihnen wird nicht ‚hinterhergejagt‘ (und die Wale damit verjagt), sondern man bleibt in gebührendem Abstand zum Wal und dieser entscheidet dann, ob er näher kommt. Bei Ivanhoe besitzt man nicht nur eine Lizenz für die Touri-Safaris, sondern auch für wissenschaftliche Fahrten. Unsere Guide war ziemlich gut, wir haben unheimlich viel über die Wale (Southern Right Wales) erfahren, unter anderem dass sie ein sehr gute Gehör haben und unser Boot am Motorgeräusch und auch den Guide an ihrer Stimme erkennen können. Die Bucht zwischen Gaansbai und Hermanus stellt so etwas wie die Kinderstube für die Wale dar, in der die Babys großgezogen werden und sie auch – wie in einem Kindergarten – miteinander spielen können. Wir haben drei Mütter mit ihren Babys gesehen, wovon eine Mutter sehr zutraulich war und mit ihrem Kind direkt bis ans Boot herankamen.

Nach der Bootstour machten wir noch einen Ausflug zum Lomond Wine Estate. Es war Sonntag nachmittag und wir waren gegen 16 Uhr schon fast die letzten Gäste. Das Wine Estate liegt an einem See mit Forellenzucht. Wir machten eine Wein-tasting und aßen auch etwas dazu (die Lemond-Platters) – im Nachhinein müssen wir sagen, dass das Lemond von allen besuchten Weingütern die beste Küche hatten, die gemischte Platte war hervorragend, vor allem die Forellen-Erzeugnisse aus dem hauseigenen Teich.

Am nächsten Tag ging es dann Richtung Robertson. Wir fuhren zunächst über Hermanus für einen kurzen Zahnarzt-Besuch (diese blöden englischen Toffees 😦 ) und dann über die R320 Richtung Caledon. Die R320 war sehr eine sehr schöne Reiseroute, vorbei an Weingütern und schönen Landschaften. Hinter Caledon ging es dann auf die R406 zu Genadendal und Greyton, zwei Empfehlungen aus dem Reiseführer. Genadendale ist bekannt als erste (deutsche) Missionsstation. Dort befindet sich ein Missionsmuseum, welches wir besuchten. Alles in allem ist das Museum etwas ‚überfrachtet‘ – man scheint alles alte gesammelt und zusammengestellt zu haben. So sieht man dann ca. 200 alte Schreibmaschinen undsoweiter, aber mit wenig Sinn das Ganze. Zusätzlich erfährt man vieles über die Herrnhuter Glaubensgemeinschaft, die das hier aufgebaut hat. Sehr textlastig und nur was für interessierte. Interessant ist, dass in der Mission noch vieles auf Deutsch beschriftet ist. Glenandale zeichnet sich ansonsten durch Armut und freilaufende Pferde aus. Die Pferde sind so freilaufend, dass sie zwischen herumfliegenden Plastiktüten ein bisschen Gras suchen… Auch eher trostlos und mehr gibt es da nicht. Wir haben uns durch das Museum gekämpft und sind dann die R406 weiter nach Greyson gefahren. Ganz andere Stimmung, ganz anderes Ambiente. Greyson ist eine Art Künstler-/Aussteiger-Ort mit ein paar netten Cafés etc. Da kann man sich glatt vorstellen, einige Zeit zu verbringen. Wir blieben auf einen Snack und fuhren dann die Straße, die ab hier eine Schotterpiste war, weiter Richtung Riviersonderend. Die R406-Schotterpiste war wieder wunderschön von der Landschaft her – man fuhr durch entlegene Ecken, ab und zu ein einzelnes Farm- oder Arbeiterhaus. Sehr malerisch. In Stormsvlei fuhren wir dann auf die nächste kleine Straße, die R317. Absolut sehenswert, ebenfalls eine schöne Strecke und man kommt dann langsam wieder an einzelnen Weinfeldern vorbei. Gegen 17 Uhr kamen wir dann so langsam in Robertson an, einer kleinen Zentrale für die umliegenden Weingüter. Wir mussten durch die Stadt hindurch und noch ein bisschen Richtung Worcester die R60 entlang. Dort wahr mal wieder eine Baustelle mit wechselnder Fahrtrichtung. Das verzögerte unsere Ankunft weiter und so kamen wir erst ca. kurz nach 18 Uhr an, das letzte Stück zu unserer Unterkunft eine absolute Schotterpiste mit immer weniger Gebäuden drumherum -und leider war dann bei unserer Ankunft die Rezeption nicht mehr besetzt. Und unsere Unterkunft ist in the middle of nowhere. Und man muss sich das so vorstellen, dass da mitten im Weinberg ein Haus mit der Rezeption ist – und das wars. Man hat keine Ahnung, welches die eigene Unterkunft sein könnte. An der Tür war ein Hinweis für uns hinterlegt, wir mögen uns per Whats App bei einer bestimmten Mobilnummer melden – schade nur, wenn man keine SIM-Karte für Südafrika hat und somit das Handy nur im WLAN-Bereich nutzbar ist. Quintessenz, wir konnten niemanden erreichen und es wurde dunkel. Für eine 5-Sterne-Unterkunft nicht ganz das richtige…ich war ziemlich genervt. Letztlich sah ich an einem der nicht ganz so weit entfernten Häuser im Weinberg jemanden auf der Terrasse grillen und ging dorthin. Dort traf ich auf ein älteres südafrikanisches Gast-Ehepaar, die dann den Kontakt zur Rezeption herstellen konnten und so wurde alles gut und wir bekamen unser wundervolles Haus. Mittlerweile war es dunkel, aber wir hatten noch nicht zu Abend gegessen (und Südafrika ist definitiv der falsche Platz um hungrig zu Bett zu gehen) und fuhren zurück nach Robertson. Dabei machten wir eine lustige Erfahrung mit dem Baustellenbetrieb hier in Südafrika. Unsere Nebenstraße kommt in der Mitte der Baustelle auf die Hauptstraße und normalerweise ist dann dort ein Bauarbeit (wahrscheinlich die ganze Nacht), um einen den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in die wechselnde One-Way-Baustelle zu weisen. Diesmal war da aber niemand und es gab keinen Verkehr, nicht mal Scheinwerfer irgendwo in der Ferne. Wir wussten also nicht, in welcher Richtung gerade der Baustellenverkehr geleitet wurde, ewig warten wollten wir aber auch nicht. Also entschlossen wir uns, loszufahren und ggf. bei Gegenverkehr auszuweichen. Was dann auch so kam, irgendwann mussten wir die einspurige Strecke lassen und den Gegenverkehr durchlassen. Zum Glück konnten wir an der Stelle ausweichen. Schon lustig, dass südafrikanische Verkehrsleben…..

Wir hatten eine Reservierung im Robertson Small Hotel, einem der besten Restaurants in Robertson. Das Restaurant ist Bestandteil eines sehr hübschen Boutique-Hotels mitten im Wohnviertel und hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Wir aßen dort hervorragend und bekamen auch wieder hervorragende Weine kredenzt. Wenn man ein Glas Wein bestellt, hört der Ober gar nicht mehr auf einzuschenken – willkommen in Robertson! Gegen halb zehn Uhr Abends waren wir dann fast die letzten Gäste (wobei das Restaurant auch nicht viele Tische hat) und fuhren zu unserer Unterkunft zurück. Dabei mussten wir mal wieder feststellen, wie ausgestorben die Städte in der Dunkelheit sind. Halb zehn Abends in einer der zentralen Weinmetropolen und auf den Straßen ist niemand mehr zu sehen (Franschoek ist da anders, dies zur Beruhigung….)

Wir bekamen in der Nacht dann noch eine Vorstellung von einem Stromausfall in der Einsamkeit – irgendwann war alles aus und um uns herum war Stille für ca. zwei Stunden – und natürlich auch kein WLAN und somit kein Whats-App-Kontakt mit der Verwalterin. Es war ganz schön dunkel……

Am nächsten Morgen sahen wir dann, was für eine prachtvolle Aussicht unser Haus bot.

Dazu kamen fantastische Vögel, die wir rund um unser Haus beobachten konnten – eigentlich besser als im Birds of Eden.

An unserem ersten tag in Robertson machten wir uns auf den Weg nach Barrydale entlang der R62 – eine Art Route 66 in Südafrika. Zunächst ging es nach Montague und das war eine ziemlich schöne Strecke. In Montague kann man auch einiges besichtigen, wir fuhren aber direkt weiter nach Barrydale, da wir einige Kilometer an dem Tag vor uns hatten. In Barrydale angekommen suchten wir das ‚Diesel & Creme‘, ein recht ausgefallenes und bekanntes Cafe oder Roadhouse oder wie auch immer. Wir verfuhren uns ein wenig in Barrydale – hübsches Städtchen.

Letztlich fanden wir das ‚Diesel & Creme‘, lag ziemlich eindeutig an der Hauptstrasse entlang des Örtchens – wir hatten den Weg Richtung Centrum und damit falsch gewählt. Neben dem Diesel & Creme sind noch diverse andere nette Boutiquen, Restaurants etc., aber das Diesel & Creme sticht schon ziemlich heraus mit seinem Sammelsurium an alten (oder auf alt gemachten) Schildern, Autowrack-Teilen, halben Flugzeugen etc., was halt so alles im Vorgarten und zwischen den Tischen so rutschen kann.

Wir aßen kleine Kalorienbomben in Form leckerster (Gourmet-)Milch-Shakes in interessantesten Varianten:

In dem Laden selbst lief abstruseste Surfer-Musik, hier könnt ihr mal reinhören:

Kambodschanische Surf-Musik aus der Vor-Khmer-Pha

Das war Musik nach meinem Geschmack und so etwas funktioniert auch nur an bestimmten Orten – dieser war einer davon. Chillig rumhängen, ein sonderbares Cafe drumherum, frühlingshafte Luft und dann dieser musikalische Hintergrund.

Als kleinen Exkurs: ich habe mich danach ein wenig mit dieser Musik beschäftigt und das ist dann nicht mehr ganz so chillig. Diese ganzen kambodschanischen Surf-Musiker, die diese wundervolle Musik gemacht haben, sind unter den Roten Khmer wohl alle in den Lagern verschwunden und nie wieder aufgetaucht, hier ein Artikel dazu:

https://www.vice.com/en_uk/article/4w7b8p/the-tragic-bloody-history-of-cambodian-surf-rock-930

Abends waren wir dann wieder auf unserer Farm und diesen Abend genossen wir unseren Grill. Wir kauften uns entsprechendes Fleisch und Zutaten im Supermarkt – ist ja auch mal interessant, andere Grill-Kulturen kennenzulernen, einiges ist ja dann doch anders als bei uns – und tranken dazu fantastischen südafrikanischen Wein. Davon gibt es hier vor Ort ja reichlich.

Am nächsten Tag machten wir morgens eine (zweistündige?) Wanderung auf den Hausberg und über die Farm. War mal schön, die Knochen wieder etwas ausführlicher zu bewegen, aber ansonsten war das nicht ganz so spannend. Nachmittags statteten wir dem Weingut unserer Lieblings-Weins, der Springfield Estate, einen Besuch ab und später dann auch noch mal dem Champagner-Produzenten Graham Beck – sehr stylisch dort. Abends aßen wir im Mo&Rose, war das bessere Essen im Vergleich zum Small Restaurant in Robertson. Und es ist dort auch eine nette Location zum übernachten, wenn man nicht in der Stadt untergebracht sein möchte.

Am nächsten Tag fuhren wir dann über Worcester nach Kapstadt in unser Hotel, das Rouge On Rose, einem kleinen sehr zu empfehlenden Boutique-Hotel. Es wird von sehr liebenswerten Menschen geführt und liegt sehr zentral, aber ruhig zwischen der Innenstadt und dem neuen In-Viertel Bo-Kaap, bekannt für die bunten Häuser, bis vor kurzem aber noch ein recht gefährliches Viertel (an der Kreuzung bei unserem Hotel stand die ganze Zeit ein Wachmann – zur nacht holte er dann irgendwoher ein kleines Wachhäuschen, in dem er dann die Nacht verbrachte).

Blick aus unserem Fenster

..und derselbe Blick Nachts inkl. Wärterhäuschen

Bei der Ankunft wurden wir von einem mittlerweile typischen Ereignis überrascht: dem Stromausfall. So etwas ereignet sich mittlerweile häufiger und dauert dann mal so ein bis zwei Stunden. Der Fahrstuhl ging somit nicht, körperliche Ertüchtigung war angesagt – natürlich ohne Kofferschleppen, dass wird in südafrikanischen Hotels natürlich von helfenden Händen übernommen.

Wir waren ja recht früh angekommen, so dass wir uns auf den Weg in die Innenstadt machten – natürlich zu Fuß, das ist aus meiner Sicht vor allem tagsüber überhaupt kein Problem mehr. Ob man Abends dort zu Fuß von Bar zu Bar gehen kann, da hört man unterschiedliche Geschichten zu. Jedenfalls gab es auf dem Weg in die Innenstadt – das war eine gute Viertelstunde, wir kreuzten die Bree und Loop Street – viele Bars und auch viele kleine Geschäfte zu entdecken. Das ist definitiv einen Besuch wert. Wir endeten in der St. George’s Mall. Da es ein Donnerstag war und wir zur Mittagszeit ankamen, war gerade der Mittagsmarkt mit ganz vielen kleinen Essenständen – fantastisch für alle, die gerne und ausgefallen Essen mögen.

typisch afrikanisches Essen auf der St. George Mall am Donnerstagmittag

Wir waren allerdings nicht zum Essen dort gelandet, sondern weil dort die – von unseren Hotelbesitzern empfohlenen – Free Walking Tours starten. Da ist eine gemeinnützige Organisation, bei der Locals verschiedene Touren anbieten und man am Ende ein Trinkgeld gibt (oder auch nicht). Kein fester Preis, kein Touri-Nepp. Wir machten den Apartheids-Tour mit, bei der es über Queen Victoria Street über das Parlament, das District Six Museum am Ende zur Nelson Mandela Statue bei der Grand Parade ging. Unser Guide war ein Schwarzer, also alle sehr authentisch und erzählte viele interessante und teilweise abstruse Geschichten der Apartheid. So eine Free Walking Tour lohnt sich auf alle Fälle.

Danach waren wir dann aber auch recht erschöpft und machten uns langsam auf den Heimweg. Für Abends waren wir wieder der Empfehlung unserer Hotelbesitzer gefolgt und gingen in das nur eine Straßenecke entfernte Marco’sPlace, einem echt afrikanischem Restaurant. Wir gingen recht vorbehaltlos dorthin; es ist ein ziemlich großer Laden, der wohl auch viel von Touristengruppen besucht wird, aber in meinen Augen immer noch sehr original afrikanisch ist, Live-Musik inklusive. Unsere Hotelbesitzer erzählten, dass dort auch viele schwarze Politiker aus Johannesburg Essen gehen, wenn sie mal in Kapstadt sind und beim letzten Jazz-Festival sollen dort Earth, Wind & Fire als auch Hugh Masakela ihre Instrumente ergriffen und auf der Bühne ein spontanes Konzert gegeben haben. Hört hört.

An unserem Abend Wir hatten jedenfalls einen großartigen Abend dort! Es gab Live-Musik von einer Marimba-Band. Zunächst spielten vier oder fünf Vibraphonisten, das war durchaus ansprechend. Später kamen dann Sängerinnen dazu und man muss sagen, die haben den Laden schon ein bisschen gerockt; ich war jedenfalls ziemlich angetan.

Am nächsten Tag war spätnachmittags der Abflug angesagt – vormittags gingen wir zunächst in das Viertel Bo-Kaap mit seinen typisch bunten Häusern.

eine typische Straße in Bo-Kaap

Bo-Kaap ist ein sehr armes Viertel und sehr muslimisch geprägt. Mittlerweile ziehen sich aber immer mehr Touristenströme durch das Viertel, was nicht ganz ohne Konflikte bleibt. Schließlich handelt es sich immer noch um Häuser, die normal bewohnt werden. Dennoch machen die Touristen auf der Suche nach dem perfekten Bild nicht vor privaten Hauseingängen halt und die Art, für Selfies möglichst aufreizend zu posieren, passt auch nicht ganz in diese religiöse Wohngegend. Zur Gefährlichkeit: wir bewegten uns ja auf den von Touristen begangenen Wegen und machten auch die Bekanntschaft mit zwei Andenken-Verkäufern aus den Town-Ships (eineArt der Kunstwerke, die sie verkaufen, sind die Town-Ship-Bilder, die mit Kronkorken und Dosen-Schnipseln gestaltet werden. Diese hatten ein großes aus Cola-Kronkorken, alles in rot gehalten. Der Hammer. Ich ärgere mich bis heute, das nicht mitgenommen zu haben – man liefert auch per Post nach Deutschland). Wir unterhielten uns länger mit ihnen und kauften einige der aus Draht hergestellten Drahttiere. Später waren wir abseits der Tour-Pfade unterwegs und ich war auf dem Weg, für ein besseres Foto eine Treppe hochzusteigen, die in die Slum-Behausungen führte. Das sah einer der beiden Township-Verkäufer und er beeilte sich, mich doch eines besseren zu belehren und den weitern Aufstieg lieber zu belassen. Es wäre doch etwas gefährlich für mich, dort weiter hochzusteigen…

Nach Bo-Kaap wollten wir noch ein bisschen shoppen und eine Kleinigkeit essen gehen, bevor es dann Richtung Flughafen geht. Und shoppen kann man wirklich sehr gut (Shortmarket und Long Street sind da z.B. gute Adressen) und man findet von billigen/günstigen Geschäften bis zu höherpreisigen Geschäften so ziemlich alles – aber das sind nicht die weltweit bekannten Ketten, sondern inhabergeführte Läden mit vielen lokalen Designs etc. Auf dem Weg in die Innenstadt kamen wir an einigen weiteren Ständen von Verkäufern aus den Town-Ships vorbei. Eine davon hatte Glück am frühen morgen (es war ja immer noch früh), denn wir kamen in einen kleinen Kaufrausch und kauften diverse kleiner Andenken, am meisten die kleinen aus Draht und bunten Perlen geflochtenen Wildtiere. Wir bezahlten bestimmt viel zu viel, aber wir hatten eine Heidenspaß mit der Verkäuferin und letztlich landet das Geld bei den richtigen Menschen…

Irgendwo auf der Long Street trafen wir dann auf meinen Lieblings-Antiquitäten-/Kunstladen, den Tribal Trends. Unglaublich ausdrucksvoll, was Afrika an Kunsthandwerk zu bieten hat. Ich habe mich so ziemlich in alles verguckt, was dort angeboten wird. Besonders haben es mir die bunten Figuren angetan, die unten auf dem Foto zu sehen sind. Ich durfte ausnahmsweise in dem Laden fotografieren….

Nach dem einkaufsrummel suchten wir dann das empfohlene Restaurant ‚Sea Breeze‚. Und es war ein krönender und würdiger Abschluss unseres Südafrika-Urlaubs. Es war ein warmewr, sonniger Mittag, die anderen Gäste – natürlich Weiß, natürlich leger wohlhabend gekleidet – verströmten unglaublichen Flair. Freitagmittag, das Wochenende wird eingeläutet mit Champagner und Austern. Was kann man hier in Kapstadt für ein fantastisches Leben führen, wenn die Brieftasche es zulässt….

Ja, Neid kam auf. Aber das Essen (natürlich frischer Fisch) in dem Restaurant war fantastisch und dann ein Glas Weißwein….das Leben kann so herrlich sein!!

Alles in allem müssen wir feststellen: nur eine Nacht in Kapstadt war definitiv zu wenig, eine tolle Stadt….

Kleiner Exkurs zu noch zwei interessanten Web-Adresse:

Hinterlasse einen Kommentar